Nötzold

Dipl.-Psych. Janine Nötzold

Institut für Psychologie I (IPSY)
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Forschungsinteressen
  • Soziale Intelligenz
  • Soziale Kompetenz
  • Intelligenzdiagnostik

Dissertationsthema: Soziales Wissen- Spezifikation, Diagnostik und Validierung des Konstrukts im nomologischen Netzwerk von akademischer und sozialer Intelligenz

 

Ziel der Dissertation ist die konzeptuelle Spezifizierung, Operationalisierung und Validierung des bislang in der Literatur unscharf gefassten Konzepts des sozialen Wissens im Rahmen des facettentheoretisch fundierten Strukturmodells der sozialen Intelligenz von Weis und Süß (2005). Wir beschränken uns auf berufsbezogenes soziales Wissen und definieren es als Wissen über akzeptierte Verhaltensweisen in beruflichen Interaktionssituationen. Soziales Wissen wird mit Situational Judgement Tests erfasst, die realistisches Schrift- und Videomaterial aus fünf verschiedenen Berufskontexten (Berufsfeld des klinischen Psychologen, Friseurs, Produktionsarbeiter Metallindustrie, Lehrer und Fachinformatiker für Systemintegration) verwenden. Die Testkonstruktion erfolgte mit Hilfe der Critical Incidents Technique. Experten und Berufsanfänger aus den verschiedenen Berufsfeldern lieferten typische und schwierige soziale Interaktionssituationen, in denen kontextspezifisches soziales Wissen nötig ist. Die Auswertung der Tests erfolgt auf der Grundlage von Expertenscorings. Eine Vorstudie (N= 63) gab erste Hinweise auf zufriedenstellende Reliabilität sowie Differenzierungsfähigkeit des Instruments zwischen Experten und Novizen. In der noch laufenden Hauptstudie sollen an einer alters- und bildungsheterogenen Stichprobe (N=180) die psychometrischen Gütekriterien bestimmt und Belege für die konvergente Validität (Zusammenhang mit dem Magdeburger Test zur sozialen Intelligenz, MTSI-2) sowie diskriminante Validität (Zusammenhang mit akademischer Intelligenz und akademischen Wissen) gewonnen werden.

 

Diplomarbeitsthema: Kognitive Facetten sozialer Intelligenz und Empathie

 

Zusammenfassung

Die Diplomarbeit verfolgte zwei Ziele: Die Untersuchung der Empathie, im speziellen der Perspektivenübernahme, und der sozialen Intelligenz von 26 pädophilen Sexualstraftätern im Vergleich zu 25 psychisch gesunden Kontrollprobanden (Studie A) sowie das Beleuchten der Zusammenhänge zwischen Empathie als Persönlichkeitseigenschaft und einer ausgewählten Facette der sozialen Intelligenz, dem sozialen Verständnis, auf der Grundlage einer studentischen Stichprobe (N=107) (Studie B).
Mit Hilfe der Studie A sollte zunächst in Bezug auf die Empathiedefizithypothese in der Straftäterforschung die Frage untersucht werden, ob pädophile Sexualstraftäter im Vergleich zu psychisch gesunden Nicht-Straftätern Defizite in der Fähigkeit, die Perspektive des Opfers einer Straftat einzunehmen, aufweisen. Zur Operationalisierung der Perspektivenübernahme wurden in den letzten Jahren vermehrt szenarienbasierte Messinstrumente wie der von mir genutzte und adaptierte Perspektivenübernahmefragebogen von Oswald & Bütikofer (2003a,b) eingesetzt. Kovarianzanalysen konnten zeigen, dass bestehende Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in den Einschätzungen von Opferreaktionen durch die Bearbeitungsgeschwindigkeits- oder Aufmerksamkeitsleistung erklärt werden können. Die Validität dieser Instrumente wird auf der Grundlage dieser Ergebnisse kritisch beleuchtet. Im zweiten Teil der Studie A wurde geprüft, ob pädophile Sexualstraftäter im Vergleich zu den Kontrollprobanden ein opferspezifisches Defizit in der Fähigkeit "soziales Verständnis", definiert als Facette der sozialen Intelligenz, aufweisen. Einige empirische Studien weisen darauf hin, dass Sexualstraftäter Probleme haben, soziale Reize in einem bestimmten Kontext zu verstehen und zu bewerten. Bezugnehmend auf das facettentheoretische Rahmenmodell sozialer Intelligenz (Weis & Süß, 2005) wurde die Fähigkeit soziales Verständnis über zwei für diese Diplomarbeit konstruierten Kinderszenarien sowie über zwei Erwachsenenszenarien operationalisiert. Die Analysen zeigten, dass sich die beiden Gruppen nicht hinsichtlich der sozialen Verständnisleistung für Kinder und Erwachsene unterscheiden, wenn die Intelligenz oder die Bearbeitungsgeschwindigkeit kontrolliert wird. Die vorliegende Studie A stellt somit einen ersten Versuch dar, die aktuelle soziale Intelligenzforschung in der Straftäterforschung zu nutzen.
Studie B hatte sich zum Ziel gesetzt, mögliche Überlappungen zwischen sozialem Verständnis als Facette der sozialen Intelligenz, und Perspektivenübernahme / kognitive Empathie als Persönlichkeitseigenschaft aufzudecken: Menschen mit der Persönlichkeitseigenschaft, die Perspektive einer anderen Person spontan zu übernehmen, sollten die Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen und Persönlichkeitseigenschaften einer anderen Person akkurater einschätzen als Person, die hierfür keine besondere individuelle Neigung berichten. Zur Überprüfung der Hypothese wurde das verbale und auditive Material von vier Szenarien aus der sozialen Intelligenztestbatterie Magdeburg zur Erfassung des sozialen Verständnisses und zwei Perspektivenübernahme-Selbstberichtsinstrumente eingesetzt. Eine Auswertung mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse war aufgrund fehlender Interkorrelationen der sozialen Verständnisskalen nicht möglich. Dies lag in der Reduktion der ursprünglichen Szenarien auf verbales und auditives Material begründet. Durch den Verzicht auf bild- und filmhaftes Material zeigten die sozialen Verständnisskalen veränderte Reliabilitäts- und Korrelationsmuster als in bisherigen Studien. Die Implikationen dieser Ergebnisse für weitere Forschungsvorhaben werden diskutiert.
 

Veröffentlichungen

Nötzold, J., Hähnel, N., Süß, H.-M., & Witzel, J. (2008, July). Social intelligence of pedophile sex offenders. Poster presented at the 29th International Congress of Psychology (ICP), Berlin, Germany.

 

Letzte Änderung: 10.01.2019 - Ansprechpartner:

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